„Wir sind von der Natur abhängig“

Fruchtsaftkelterei Lammersiek setzt traditionell auf Nachhaltigkeit / Neue Photovoltaikanlage nach Solarberatung durch die WIGOS er-richtet

Claudia Himmelstoß erläutert André Schulenberg vom WIGOS-UnternehmensService die Funktion des Flascheninspektors. Foto: Sandra Joachim-Meyer

„Das Energiethema und vor allem die Gasbeschaffung treibt uns genauso um wie die ganze Fruchtsaftindustrie. Wir setzen zur Erhitzung und Stabilisierung unserer Säfte einen mit Gas betriebenen Dampfkessel ein. Für die Zukunft schauen wir uns daher auch nach Alternativen um. Obwohl wir mehr Gas als Strom verbrauchen, haben wir uns zudem für eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 20 kW auf dem Dach der Produktionshalle entschieden“, erzählt Claudia Himmelstoß, Inhaberin der Fruchtsaftkelterei Lammersiek + Co in Bad Essen. Den Anstoß dazu gab eine Solarberatung der WIGOS Wirtschaftsförderungsgesellschaft Osnabrücker Land. Die WIGOS begleitete den Familienbetrieb Ende 2020 auch bei der Modernisierung des Maschinenparks. So schaffte die Fruchtsaftkelterei einen „Flascheninspektor“ an, der die Produktsicherheit und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit steigert.

„Die Beschaffung von Energien ist für viele Unternehmen bedeutender denn je. Umso wichtiger ist es, wie der Betrieb Lammersiek frühzeitig nach neuen Lösungen der Energiegewinnung oder -beschaffung zu suchen und diese nach einer grundlegenden Untersuchung im Bedarfsfall auch umzusetzen“, betont André Schulenberg vom WIGOS-UnternehmensService. Hier sei das hervorragend gelungen. Ein Ergebnis der Beratung bei Lammersiek durch einen Energieberater ist die Errichtung einer Photovoltaikanlage mit 20 kW Leistung. „Damit können wir einen Teil des Strombedarfs selber decken“, freut sich Claudia Himmelstoß.  

Traditionell spielt das Thema Nachhaltigkeit in der regionalen Kelterei eine besondere Rolle, wie die Inhaberin berichtet. Nicht umsonst lautet das Motto der Fruchtsaftkelterei „Aus Liebe zur Region, aus Respekt vor der Natur“. Den Grundstein legte ihr Urgroßvater 1919 mit der Gründung eines Eier- und Obsthandels. „Damals wollte man das Obst nicht verderben lassen. Daher wurde das Obst seit 1936 in der eigenen Mosterei verarbeitet. Meine Großmutter fuhr damals mit dem Transporter zu den Sammelstellen in den Ortschaften und holte das Obst ab, das Privatleute aus ihren Gärten dorthin brachten.“ Noch heute steht die Kelterei an demselben Standort mitten in Bad Essen und produziert dort mit inzwischen zehn Mitarbeitenden (Voll- und Teilzeit) vornehmlich Säfte mit hundertprozentigem Fruchtsaftgehalt ohne Zuckerzusatz und Konservierungsstoffe. Auch ein Auszubildender ist im Büro der Fruchtsaftkelterei tätig.

Die Äpfel, Birnen, Johannis- und Stachelbeeren, Brombeeren sowie der Rhabarber und vieles mehr, die bei Lammersiek in der Presse landen, werden weiterhin in den Gärten der Region geerntet. Sammelstellen unterhält der Traditionsbetrieb in Ankum, Hunteburg und Lübbecke. Geliefert wird der Saft an Händler im Umkreis von rund 80 Kilometern um Bad Essen. Dies sorgt für einen geringen CO2-Fußabdruck des Lebensmittelhandwerkbetriebs. Wie erfolgreich die Ernte ausfällt und wie viel Saft daraus produziert werden kann, bestimmt die Natur: „Wir sind stark von der Natur abhängig. Manches Jahr produzieren wir 100.000 Liter Apfel- und Birnensaft, manchmal sind es 300.000 Liter.“ Das saisonale Geschäft ergänzt Lammersiek durch die Produktion und den Verkauf von Glühwein.

Claudia Himmelstoß, die den Betrieb seit 2011 führt, ist stolz darauf, schmackhafte regionale Obstsorten zu verarbeiten: „In die Flasche kommt nahezu alles, was die Leute hier in der Region im Garten haben. Wir produzieren aber auch Mango- und Orangensäfte aus Konzentrat, Direktsaft oder Fruchtpürees.“ Schon lange setzt Lammersiek auf nachhaltige Produktion und ist der Region stark verbunden. „Wir arbeiten seit mehr als 25 Jahren mit dem BUND erfolgreich zusammen und engagieren uns auch stark in Streuobstwiesenprojekten.“ Zudem kooperiert das Unternehmen mit der Fair Trade-Gemeinde Bad Essen und ist auch Mitglied der Slowfood-Initiative.

Da Lammersiek aus Nachhaltigkeits- und Qualitätsgründen von Anfang an auf die Abfüllung in Flaschen setzt, steht der Betrieb jedoch vor einem weiteren Beschaffungsproblem: „Wegen der Energiekrise sind Flaschen Mangelware und können daher unter Umständen weniger Saftflaschen produzieren. Wir sind derzeit intensiv dabei, Glasflaschen zu beschaffen“, erklärt Claudia Himmelstoß. Auch die Glasflaschen, die vor Ort abgegeben werden, gehen wieder in den Kreislauf und werden bei Lammersiek neu befüllt. Bevor dies geschieht, nimmt der im April dieses Jahres in Betrieb genommene Flascheninspektor jedes Gefäß genau unter die Lupe – und sorgt damit für Produktsicherheit und Lebensmittelhygiene. „Mehrweg-Glas hat etwa 20 bis 30 Umläufe und kommt nach dem Waschen wieder in die Abfüllung“, erläutert Claudia Himmelstoß. Nach dem Waschen haben Mitarbeiter die Flaschen geprüft, ob die Flasche an der Flaschenmündung beschädigt ist oder noch eine Restverschmutzung, wie beispielsweise Bonbon-Papier oder anderes enthält. „Dies kann man aber nur maximal 20 Minuten machen, da die Augen ermüden. Diese Arbeit übernimmt nun die

Maschine. Der Inspektor betrachtet jede Flaschenmündung und den Boden und sortiert mangelhafte Flaschen aus. Pro Stunde untersucht der Inspektor 3500 bis 6000 Flaschen. Für Claudia Himmelstoß ist der Inspektor ein wichtiger Bestandteil der Lebensmittelsicherheit und Teil der Zertifizierung und Basis für die Erlangung eines Gütenachweises für Lebensmittelbetriebe. „Der Inspektor ist in dieser Hinsicht ein großer Pluspunkt, der unsere Wettbewerbsfähigkeit steigert“, freut sich die Chefin der Fruchtsaftkelterei.

Quelle Text: WIGOS

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