Flixtrain soll der Bahn Konkurrenz machen

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Pendler und Vielfahrer ärgern sich regelmäßig über die Deutsche Bahn: Verspätungen und Zugausfälle – und das, für einen oftmals happigen Preis.

Das könnte sich nun ändern, denn die Bahn bekommt von einem alten „Feind“ Konkurrenz. Der Fernbusanbieter Flixbus, der schon seit Jahren sehr erfolgreich den Markt beherrscht, steigt nun auch in den Schienenverkehr ein.

Die neuen Züge im firmeneigenen Grün sind ab Mitte März in Deutschland unterwegs. Flixbus-Chef André Schwämmlein: „Mit dem Zug sind wir plötzlich für Kunden relevant, für die wir bisher nicht interessant waren. Davon profitiert auch unser Fernbusangebot.“
Zuletzt hatte Flixbus vor allem den ehemaligen Locomore-Zug auf der Strecke Berlin-Stuttgart im Programm, praktisch als Test. Seit der Übernahme der Streckenvermarktung im Sommer 2017 habe Flixbus mehr als 150 000 Tickets verkauft. „Die Testphase hat super funktioniert. Deshalb dachten wir: Wenn wir das mit einem Zug schaffen, dann auch mit mehreren.“

Fahrplan bis 9. Juni
Wie aus einem Fahrplan hervorgeht, den Flixbus unserer Redaktion auf Nachfrage zur Verfügung stellte, wird die neue Fernzug-Verbindung über Osnabrück zunächst bis zum 9. Juni 2018 angeboten – mit längeren Ausnahmen rund um Ostern und Anfang Mai (Tag der Arbeit/Christi Himmelfahrt).

Regulär bieten sich bei Flixtrain in diesem Zeitraum folgende Reisemöglichkeiten ab Osnabrück Hauptbahnhof: in Richtung Norden montags und samstags um 9.14 Uhr sowie dienstags, freitags und sonntags um 13.16 Uhr nach Hamburg-Harburg, Hamburg Hauptbahnhof und Hamburg-Altona (Fahrtzeit bis Endstation gut zwei Stunden). In Richtung Süden montags, donnerstags, freitags und sonntags um 18.44 Uhr sowie samstags um 14.44 Uhr nach Münster, Gelsenkirchen, Essen, Duisburg, Düsseldorf und Köln (Fahrtzeit bis Endstation gut zweieinviertel Stunden).

Für 9,99 Euro nach Hamburg oder Köln
Tickets für den Flixtrain von Osnabrück nach Hamburg und Köln kosten laut Anbieter ab 9,99 Euro. Abhängig von der Auslastung der jeweiligen Zugverbindung können die Preise steigen. „Generell lässt sich sagen, je früher man bucht, desto günstiger ist das Ticket“, erklärte Flixbus-Sprecher Martin Mangiapia. Zum Vergleich: Die Deutsche Bahn verlangt für Intercity-Reisen von Osnabrück nach Hamburg-Altona mindestens 52 Euro und für die Strecke bis Köln immerhin 48 Euro.

Viel Geld sparen können Flixtrain-Nutzer aus der Region aber auch bei Reisen zu näheren Zielen. Fahrten zwischen Osnabrück und Münster etwa sind bereits ab 3 Euro zu haben, wie ein Blick ins Online-Buchungsportal von Flixbus zeigt. Im Nahverkehr (Westfalentarif) kostet der Einzelfahrschein für diese Verbindung 13,20 Euro. Wer den Intercity der Deutschen Bahn nutzt, zahlt 14 Euro.

Kombination von Fernbus und Schiene als Konzept
Mit der Premiere von Flixtrain will Flixbus den Zug stufenweise in sein deutschlandweites Mobilitätsangebot integrieren. Über den Umstieg an Fernbushaltestellen entlang der Trasse würden zahlreiche neue Reiseoptionen geschaffen, teilt das Münchner Unternehmen mit. Geschäftsführer André Schwämmlein wird mit den Worten zitiert: „Fernbus und Schiene ergänzen sich hier perfekt. Die Vernetzung beider Verkehrsträger ist Teil eines nachhaltigen Konzepts für die Mobilität der Zukunft.“

HKX beförderte 1,8 Millionen Fahrgäste
Der Anfang von Flixtrain bedeutet aber zugleich das Ende des Hamburg-Köln-Express. „Die Marke und das Produkt HKX gibt es nicht mehr, der Betrieb wurde eingestellt“, erklärte Carsten Carstensen, Geschäftsführer der Hamburg-Köln-Express GmbH, am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion. Nach mehrmonatiger Pause war der HKX zuletzt rund um den Jahreswechsel unterwegs, als in Kooperation mit Flixbus sogenannte „Weihnachtsfahrten“ angeboten wurden.

Zwischen der HKX GmbH und der Flixbus-Mutter Flixmobility habe es in den vergangenen Monaten „konstruktive Gespräche“ über die Zukunft der Fernverkehrsverbindung Hamburg–Köln gegeben, so Carstensen weiter. Der HKX sei zwischen Juli 2012 und Oktober 2017 auf dieser Strecke gefahren und habe dabei 1,8 Millionen Fahrgäste befördert. „Auf dieser Pionierleistung kann Flixtrain aufbauen.“

Alte Züge mit neuem Anstrich
Die HKX GmbH ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der RDC Deutschland GmbH – einem nationalen Ableger der Railroad Development Corporation (RDC) aus Pittsburgh (USA), die auch am 2011 gegründeten Eisenbahnbetreiber Bahn Touristik Express (BTE) in Nürnberg beteiligt ist. BTE fuhr den HKX bis Ende 2015 und wird laut Flixbus auch den ersten Flixtrain zwischen Köln und Hamburg betreiben. „Hierfür wird dasselbe Wagenmaterial verwendet wie vormals für den HKX“, erklärte Sprecher Mangiapia. Jedoch erhielten die Züge einen neuen Anstrich im firmeneigenen Grün. Auf der folgenden Verbindung Berlin–Stuttgart kooperiere Flixbus mit dem tschechischen Bahnunternehmen Leoexpress.

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