Logistik-Branche: Stellensuche erfolgt vor allem online

Logistik-Branche: Stellensuche erfolgt vor allem online

Neue Befragung des regionalen Arbeitsmarktmonitorings
Foto: Lks Osnabrück / Uwe Lewandowski

Rund zwei Drittel der Logistikunternehmen in der Region haben Probleme, Fachkräfte zu finden. Das zeigt die jüngste Befragung der Branche im Rahmen des regionalen Arbeitsmarktmonitorings des Landkreises Osnabrück. Bei der Mitgliederversammlung des Kompetenznetzes Individuallogistik (KNI) skizzierte Siegfried Averhage, Leiter des Geschäftsbereichs Wirtschaft & Arbeit, vor rund 60 Fachleuten die wesentlichen Ergebnisse der aktuellen Erhebung. Sein Fazit: „Die Brache muss bei der Personalgewinnung künftig noch mehr auf Flexibilität setzen.“

Seit 2011 befragt der Landkreis Osnabrück regelmäßig unterschiedliche Branchen nach Fakten und Einschätzungen rund um den Arbeitsmarkt. Im vergangenen Jahr wurde das Steuerungsinstrument „regionales Arbeitsmarktmonitoring“ im Rahmen eines von der Metropolregion Nordwest geförderten Projektes gemeinsam mit dem Landkreis Verden zu einem modularen System weiter entwickelt, das Fakten und Handlungsfelder der am Arbeitsmarkt handelnden Akteure – auch der zukünftigen Fachkräfte – abbildet.

 

Ursachen für 454 offene Stellen

An der aktuellen Logistik-Befragung nahmen 86 Unternehmen, 13 Institutionen und knapp 420 Auszubildende und Studierende aus Stadt und Landkreis Osnabrück teil. „90 Prozent der Unternehmen sowie alle Institutionen sehen die Logistikbranche schon jetzt vom Fachkräftemangel betroffen, 75 Prozent der Unternehmen spüren bereits die Auswirkungen“, berichtete Averhage. Besonders erschreckend: „In 51 Unternehmen gab es zum Befragungszeitpunkt 454 offene Stellen.“ Die meisten Unternehmen suchen vor allem Fachkräfte im Transportbereich sowie Auszubildende. Etwas entspannter sieht die Situation für kaufmännische Fachkräfte und Fachkräfte im Lagerbereich aus.

Die Gründe für die Besetzungsschwierigkeiten sind vielfältig: Mit rund 34 Prozent gaben die Firmen das Fehlen von Bewerbern an. Doch auch anspruchsvolle Arbeitszeiten, die mangelnde Attraktivität der Einkommensmöglichkeiten oder die Konkurrenz anderer Logistik-Unternehmen im Wettbewerb um Arbeitskräfte wurden mit knapp über 20 Prozent als Hemmnisse für die Besetzung von offenen Stelle gesehen. „Es gab jedoch im Vergleich zur letzten Befragung der Branche 2012 auch erfreuliche Feststellungen“, sagte Averhage: So beklagten nur rund 14 Prozent der Befragten die mangelnde fachliche Qualifikation der Bewerber. 2012 waren es noch 26 Prozent gewesen.

 

50% der Betriebe bilden nicht aus

Welche Faktoren wirken sich positiv auf die Personalgewinnung aus? Über 90 Prozent der regionalen Firmen halten ein positives Betriebsklima sowie die Aus- und Weiterbildung im eigenen Betrieb für besonders wichtig. Auch der Blick auf neue Zielgruppen hat sich geweitet: 44 Prozent der Befragten will Kräfte mit Migrationshintergrund einstellen (2012: 26 Prozent). Auch eine bundesweite Rekrutierung ist mit über 40 Prozent (2012: 26 Prozent) ebenso wie die Personalgewinnung im Ausland (2016: 30 Prozent, 2012: 11 Prozent) stärker in den Fokus gerückt. Die Verantwortung für die Auslandsrekrutierung sehen die Unternehmen größtenteils bei der Öffentlichen Hand. „In diesem Bereich tun sich jedoch auch deutliche Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf“, kommentierte der Geschäftsbereichsleiter: „Immerhin bilden rund die Hälfte der Betriebe zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus und es gibt relativ wenig Weiterbildungsangebote in den Unternehmen.“

Und was erwarten die Studierenden von ihren künftigen Arbeitgebern? Ganz weit vorn liegen mit 86 Prozent flexible Arbeitszeitmodelle. Doch auch der Zeitausgleich von Überstunden, Schulungen wie etwa Stressbewältigung oder das betriebliche Gesundheitsmanagement erreichen Werte von mehr als 60 Prozent. Die große Mehrheit sowohl der Studierenden, als auch der Auszubildenden sucht online nach Stellen. Allerdings nutzt fast ein Viertel der Unternehmen diesen Rekrutierungsweg überhaupt nicht. Und nur 27 der 86 befragten Unternehmen boten Praktika für Studierende an. Nebenjobs oder Angebote für Bachelor- und Masterarbeiten gibt es kaum. „Es gibt also noch viel Handlungsbedarf in diesem Bereich, um die Personalrekrutierung erfolgreicher zu machen“, so Averhage.

Der komplette Ergebnisbericht der Befragung der Logistik-Branche im Rahmen des regionalen Arbeitsmarktmonitorings steht auch unter www.landkreis-osnabrueck.de zur Verfügung.

Bildunterschrift:

Der Fachkräftemangel macht der regionalen Logistikbranche Sorgen: Bei der Mitgliederversammlung des Kompetenznetzes Individuallogistik (KNI) stellte Siegfried Averhage, Leiter des Geschäftsbereichs Wirtschaft & Arbeit des Landkreises Osnabrück, die jüngste Befragung des regionalen Arbeitsmarktmonitorings vor.

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