37 alleinerziehende Mütter in Ausbildung vermittelt

Teilzeit Ausbildung für Mütter

Viele Unternehmen tun sich noch schwer mit Teilzeit-Azubis
Foto: MaßArbeit / Uwe Lewandowski

Viele alleinerziehende Frauen, die im Landkreis Osnabrück Sozialleistungen beziehen, haben keine abgeschlossene Ausbildung. Doch die Vermittlung in Ausbildung ist schwierig: Zum einen, weil die Unternehmen Bedenken haben. Zum anderen scheuen Alleinerziehende oft den Einstieg in eine Vollzeit-Ausbildung, weil sie weiterhin ihre Kinder intensiv betreuen möchten. Mit dem Projekt „Frauen.Leben.Job.“ unterstützt die MaßArbeit junge Mütter dabei, dennoch beruflich durchzustarten: „Im vergangenen Jahr konnten wir 37 alleinerziehende Mütter in Ausbildung vermitteln“, zieht MaßArbeit-Bereichsleiterin Tanja Repkewitz Bilanz.

Häufig ist eine intensive Begleitung und Unterstützung der jungen Frauen notwendig: Das geschieht in der Regel in unterschiedlichen Qualifizierungsmaßnahmen. Dabei geht es unter anderem um eine berufliche Orientierung der Bewerberinnen, aber auch um die Erfahrung, dass es in Ordnung ist, nicht rund um die Uhr für das Kind da zu sein. „Die Frauen profitieren dabei auch von den Kontakten zu anderen alleinerziehenden Müttern: “Wie organisiere ich die Kinderbetreuung, wie plane ich meine Zeit, wer kann mich im Notfall unterstützen – diese Fragen werden gemeinsam geklärt“, beschreibt Repkewitz.

 

Besondere Qualifikationen überzeugen

Viel Gesprächsbedarf besteht jedoch im Vorfeld auch bei den Unternehmen. Sie fürchten oft, dass Alleinerziehende häufiger ausfallen, als andere Beschäftigte. Und auch die eingeschränkte zeitliche Flexibilität, etwa durch feste Betreuungs- und Abholzeiten, schrecken die Betriebe manchmal ab. Im persönlichen Kontakt lassen sich dann jedoch viele Bedenken zerstreuen, so die Erfahrung der Bereichsleiterin: „Denn die Alleinerziehenden haben auch ganz besondere Qualifikationen.“ Durch die Elternrolle seien sie etwa gewohnt, organisiert und verantwortungsbewusst zu handeln – das sei nicht bei allen Azubis so. „Außerdem sind unsere jungen Frauen in der Regel hoch motiviert: Sie wollen die Lebenssituation für sich und ihr Kind verbessern und sind bereit, sich mit ganzer Kraft dafür einzusetzen.“

Umso mehr freut sich Tanja Repkewitz über jede gelungene Vermittlung. Von den 37 geschlossenen  Ausbildungsverträgen im vergangenen Jahr waren 22 betrieblich und 15 schulisch, die Alleinerziehenden waren zwischen 19 und 39 Jahre alt. Besonders erfreulich: Immerhin 13 Ausbildungen erfolgen in Teilzeit, unter anderem in den Bereichen Gesundheits- und Krankenpflege sowie als Fachverkäuferin Bäckerei/Fleischerei. „Es wünschen sich deutlich mehr unserer Bewerberinnen ein solches Angebot, aber die Unternehmen tun sich damit leider immer noch schwer“, skizziert die Fachfrau.

 

Potenziale nutzen durch gute Teilzeit-Ausbildung

Insgesamt vermittelte die Maßarbeit im vergangenen Jahr 381 Personen in Ausbildung: Davon waren rund zehn Prozent alleinerziehend und nur knapp 3,5 Prozent aller Ausbildungen können als Teilzeitausbildungen absolviert werden. Eine Teilzeitausbildung ist möglich, wenn Auszubildende ein Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen. Üblicherweise verlangt die Teilzeitausbildung 75 Prozent der regulären Ausbildungszeit und dauert nicht länger als eine Vollzeitausbildung, in der Regel also drei oder dreieinhalb Jahre. Die Berufsschule wird voll abgeleistet.

„Die MaßArbeit, aber auch Handwerkskammer oder Industrie- und Handelskammer beraten interessierte Unternehmen gern“, betont Repkewitz. Sie selbst übergibt gerade den Staffelstab an Bereichsleiterin Elena Kovalchuk-Völler: Tanja Repkewitz geht in den Mutterschutz, die Kollegin ist vor kurzem aus der Elternzeit zurückgekehrt. „Wir wissen also beide sehr genau, wie sich Kind und Beruf vereinbaren lassen, wenn man auf eine gute Ausbildung zurückgreifen kann“, erklärte Elena Kovalchuk-Völler: „Das schafft eine besondere Motivation, andere Mütter zu unterstützen, sich eine berufliche Perspektive aufzubauen.

Bildunterschrift:

Übergabe des Staffelstabes: MaßArbeit-Bereichsleiterin Tanja Repkewitz (links) geht in Mutterschutz. Künftig begleitet Bereichsleiterin Elena Kovalchuk-Völler mit ihrem Team alleinerziehende Mütter auf dem Weg in Ausbildung und Beruf.

 

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