Mit Berufserfahrung und Unterstützung zum neuen Job

Autohaus Weitkamp
Foto: MaßArbeit / Elvira Parton

Syrer findet Beschäftigung beim Autohaus Weitkamp

Mit Fahrzeugen kennt sich Youssef Youssef aus: Der syrische Bürgerkriegsflüchtling hat schon in seiner Heimat in einer Autowerkstatt gearbeitet. Mit Unterstützung des Vereins „OK! Offene Kommune Bad Essen“ und der kommunalen Arbeitsvermittlung MaßArbeit kann er nun seine Berufserfahrung als Kfz-Mechatroniker beim Autohaus Weitkamp in Stemwede einbringen.

Doch bis dahin war es ein langer Weg. An die dramatische Flucht aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo erinnert sich der 26-jährige nicht gern: Die erste Etappe führten ihn und seinen Vater mit dem Bus in die Türkei. Vor dort gelangten beide in einem Schlauchboot nach Griechenland. Über die Balkanroute ging es schließlich mit dem Bus und teilweise auch zu Fuß weiter nach Deutschland. Hier fanden sie nach mehreren weiteren Stationen einen neuen Lebensmittelpunkt in der Gemeinde Bad Essen.

Lange musste er jedoch darauf warten, auch seine Frau und den kleinen Yazan wieder in die Arme zu schließen. Denn Duaa Masadi war zunächst in der Türkei geblieben, weil sie die gefährliche Überfahrt nach Griechenland mit dem Baby scheute. Erst als Yazan ein Jahr alt war, machten sie sich auf den Weg. Der Nachzug nach Deutschland war schwierig, weil die türkische Heiratsurkunde nicht anerkannt wurde. Doch schließlich kamen die beiden am 6. Dezember 2016 in der neuen Heimat an.

Sich in der neuen Umgebung zu orientieren und Kontakte zu finden, war zunächst nicht einfach. Doch der 2016 von zahlreichen Bad Essener Bürgern ins Leben gerufene Verein Offene Kommune Bad Essen unterstützte die syrische Familie in allen Lebensbereichen. „Youssef Youssef wünschte sich vor allem, sich mit einem festen Job hier eine neue Existenz aufbauen zu können“, schildert der Vereinsvorsitzende Daniel Reitel.

 

Integration dank Kompetenz und Eigeninitiative

Berufserfahrung hatte Youssef Youssef aus Syrien mitgebracht, wo er in einer kleinen Autowerkstatt als Mechaniker gearbeitet hatte. Eine Ausbildung hat er allerdings nicht: „Das ist in Syrien nicht so wichtig. Hauptsache, du machst deinen Job gut“, erklärt er die kulturellen Unterschiede. Die vorhandene Kompetenz des Syrers im Bereich Fahrzeugtechnik war aus Sicht von Reitel ein ideales Sprungbrett. Er nahm Kontakt zum Autohaus Weitkamp auf und meldet sich gleichzeitig bei der MaßArbeit als der zuständigen Arbeitsvermittlung.

Hier war Youssef Youssef als anerkannter Flüchtling seit dem 1. Februar vergangenen Jahres im Leistungsbezug. MaßArbeit-Bereichsleiter Michael Kelka war besonders von seiner Eigeninitiative beeindruckt: So hatte der Syrer bereits begonnen, mit Hilfe des Internets Deutsch zu lernen. Das Engagement des Vereins OK war für die MaßArbeit eine willkommene Unterstützung, erklärt Kelka weiter: „So konnte dann alles ganz schnell gehen.“ Gemeinsam mit dem Unternehmen Weitkamp wurde ein Praktikum geplant, das Ende März begann. Der Geschäftsführer des Autohauses sah schnell, dass Youssef Youssef eine Bereicherung für das vorhandene Team war: „Er integrierte sich ohne Probleme, kam gut mit den Kollegen aus, war handwerklich geschickt und außerordentlich engagiert“, beschreibt Jan Weitkamp.

 

Unterstützung von Arbeitgeber und Arbeitsvermittlung

Um die Integration in den Arbeitsalltag zu erleichtern, stellte er Youssef Youssef mit Kfz-Mechatroniker René Grabowski von Beginn seines Praktikums an einen Unterstützer zur Seite: als Ausbilder, Deutschlehrer und Übersetzer in Personalunion. Für eine langfristige Beschäftigungsperspektive fehlte dann eigentlich nur noch der deutsche Führerschein: Dafür bewilligt die MaßArbeit den notwendigen Zuschuss.  Seit dem 1.Dezember hat Youssef Youssef beim Autohaus Weitkamp einen festen Arbeitsvertrag. Zunächst befristet, so der Geschäftsführer: „Doch wenn es mit dem Führerschein klappt und die sprachlichen Voraussetzungen sich weiter verbessern, bin ich optimistisch, den befristeten Vertrag demnächst verlängern zu können.

Bildunterschrift:

Der Syrer Youssef Youssef (vorn) hat eine berufliche Perspektive gefunden: Mit ihm freuen sich (stehend von links): Jan Weitkamp, Geschäftsführer Autohaus Weitkamp, Daniel Reitel, Vereinsvorsitzender OK! Offene Kommune Bad Essen, und Michael Kelka, Bereichsleiter der MaßArbeit.

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